Außerdem gibt es Gerüchte, dass Musk seinen Posten bei DOGE aufgeben wird
Tesla hat im ersten Quartal 2025 nur 337.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das waren 13 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. In seiner kurzen Pressemeldung schrieb Tesla, die Umstellung auf das neue Model Y in allen vier Fabriken habe zu einem Produktionsausfall von mehreren Wochen geführt. Der Hochlauf der Facelift-Produktion laufe aber gut.
Ein Einbruch beim Absatz war wegen der Umstellung auf das Facelift-Modell erwartet worden - Wohl und Wehe der Firma hängen größtenteils an diesem einen Modell, während das Model 3 eine geringere Rolle spielt. Die Verkaufszahlen von Model S und X sowie Cybertuck und Semi machen sogar zusammen weniger als vier Prozent der Verkäufe aus. Außerdem meldet Electrek, dass Tesla derzeit auf rund 2.400 produzierten, aber noch nicht verkauften Cybertrucks sitze. Dieser Lagerbestand habe den Wert von 200 Millionen Dollar - der Pick-up verkauft sich also alles andere als gut.
Als Gründe für die Absatzdelle gelten aber auch die politischen Aktionen von Unternehmenschef Elon Musk (inklusive eines hochgereckten rechten Arms) sowie die Entlassungen von US-Staatsangestellten, die er als Chef der Regierungs-Agentur DOGE (Department of Government Efficiency) veranlasst hat. Als weiterer Faktor wird oft die zunehmende Konkurrenz in China genannt.
Im ersten Quartal 2024 waren 387.000 Fahrzeuge ausgeliefert worden, also 50.000 mehr als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Im ersten Quartal 2023 waren es sogar noch 423.000 Autos gewesen. Man muss bis 2022 zurückgehen, um ein schwächeres erstes Quartal zu finden; damals wurden nur 310.000 Autos an die Kundschaft übergeben. Unsere Grafik zeigt den scharfen Einbruch deutlich:
Unterdessen machte am heutigen Mittwochabend ein Bericht des US-Magazins Politico Furore, nach dem sich Elon Musk in den nächsten Wochen aus der DOGE-Organisation zurückziehen will. Das habe US-Präsident Donald Trump gegenüber Beratern erzählt. Trump sei nach wie vor zufrieden mit der Tätigkeit von Musk bei DOGE, aber man habe gemeinsam entschieden, dass es für Musk bald an der Zeit sei, sich wieder seinen Geschäften zuzuwenden.
Ähnliches berichtete auch der Fernsehsender ABC News. Eine Regierungssprecherin dementierte die Berichte nicht explizit, bezeichnete diese jedoch als "Müll". Die Börse jedenfalls reagierte positiv auf die Gerüchte: Die Aktie stieg trotz der schwachen Absatzzahlen am heutigen Tag um über vier Prozent - vermutlich, weil Musk nach einem DOGE-Rücktritt wieder mehr Zeit für seine Autofirma hätte.
Unter dem Strich
Dass die Tesla-Verkaufszahlen im ersten Quartal mau sein würden, war klar, seit schlechte Absatzzahlen aus Europa und China gemeldet wurden. Die Marke Tesla scheint ein wenig von ihrem Nimbus verloren zu haben. Allerdings steht der Aktienkurs immer noch 68 Prozent höher als vor einem Jahr, während zum Beispiel Porsche in den letzten 12 Monaten 50 Prozent verloren hat. Überhaupt wäre es zu früh, Tesla abzuschreiben. Vielleicht schafft die Marke den Turnaround, wenn sich Musk demnächst wieder mehr auf Tesla konzentrieren kann. Eine abgespeckte Version des Model Y könnte dazu beitragen.