Anfang Juni 2016 rollt der neue Suzuki Baleno zu den Händlern. Er tritt in der Kleinwagenklasse gegen VW Polo und Hyundai i20 an. Kann er gegen die großen Namen bestehen? Und was verbirgt sich hinter der unauffälligen Hülle? Wir haben uns den Baleno bereits im Detail ansehen können.
Mit dem stets fünftürigen Baleno reaktiviert Suzuki einen bekannten Modellnamen. Bereits von 1995 bis 2001 gab es einen Baleno, dieser wurde auch als Stufenheck und Kombi angeboten.
Doch widmen wir uns zunächst einmal den reinen Daten des neuen Suzuki Baleno. Er ist vier Meter lang, 1,74 Meter breit und 1,47 Meter hoch. Damit ist der Baleno sechs Zentimeter kürzer als ein VW Polo.
Formal leistet sich Suzuki beim Baleno keine Experimente. Warum auch? Die wohltuend-nüchterne Gestaltung soll vor allen Kunden ab 45 Jahren ansprechen.
Stämmiges Heck: In der Breite übertrifft der Baleno den VW Polo um sechs Zentimeter. Die Bodenfreiheit beträgt zwölf Zentimeter.
Hier ist gut zu erkennen, wie weit außen die Achsen positioniert sind. Der Radstand beträgt 2,52 Meter, fünf Zentimeter mehr als beim VW Polo. Die abgedunkelten hinteren Seitenfenster dürften der Topversion des Baleno vorbehalten bleiben.
Redakteur Roland Hildebrandt: "Keine Angst: Ich sitze bequemer, als es aussieht. Aber gerade für Menschen wie mich, die lange Beine haben und gerne näher am Lenkrad sitzen, wäre eine noch höhere Einstellmöglichkeit des Lenkrads gut."
Redakteur Roland Hildebrandt: "Hier sieht man besser, dass die Sitzposition okay ist. Das Cockpit wirft keine Fragen auf. Die Verarbeitung wird noch verbessert, hier handelt es sich nämlich um ein Vorserienauto."
In der Mitte des Cockpits befindet sich ein Sieben-Zoll-Touchscreen. Kritikwürdig ist der zu kleine Cupholder vor dem Getriebewählhebel.
Blaue Applikationen werten die übersichtlichen Instrumente auf. Ob man in einem Kleinwagen unbedingt Anzeigen über den Abruf von Drehmoment und Leistung braucht, sei dahingestellt. Mit dem schwarzen Drehrad rechts unten können andere Ansichten gewählt werden.
Das hat nicht jeder Kleinwagen: Für den Baleno bietet Suzuki einen Tempomat mit automatischer Abstandshilfe an.
Typisch japanisch ist der etwas überladene Lenkstockhebel rechts. Die Schaltwippen gehören zur Sechsstufen-Automatik, mit der dieser Baleno ausgerüstet ist.
Auch eine Klimaautomatik gibt es im Baleno, sie deckt aber nur eine Zone ab. Vertragen Sie sich also besser mit Ihrem Beifahrer.
Wenig Fragen wirft das Infotainmentsystem auf. Der Touchscreen ist in vier Bereiche aufgeteilt. Eher unpraktisch ist die Lautstärkeregulierung ohne Drehknopf. Als Trost gibt es auch eine Lenkradbedienung.
Wie beim Smartphone vergrößert und verkleinert man die Landkarten mit zwei Fingern. Ein wirklich gelungenes Detail!
Ebenfalls sehr einfach ist der Wechsel in andere Bereiche aus dem Navimemü heraus. Die Zeichen für Musik/Radio und Telefon sind selbsterklärend. Ganz rechts ist das Zeichen für die Kopplung des Smartphones per USB-Kabel. Dann können über Apple CarPlay oder MirrorLink Handyinhalte auf dem Bildschirm angezeigt werden.
Ein Hauch Nostalgie schwingt bei der Radiobedienung mit: Eine Skala erinnert an Omas Kofferradio.
Bemerkenswert für einen Kleinwagen ist die Sechsgang-Wandlerautomatik. Sie wird für den 111-PS-Benziner angeboten, der 90-PS-Motor kann mit CVT-Getriebe geordert werden. Serienmäßig ist stets ein manuelles Fünfgang-Getriebe.
Die Sitzheizung wird ergonomisch ungünstig zwischen den vorderen Sesseln betätigt. Nur eine Heizstufe ist inzwischen altertümlich.
Achten Sie nicht so sehr auf die Verarbeitung, Stichwort Vorserienauto. Wichtiger ist die Sitzverstellung: Länge per Zug und Höhe per Hebel ist Standard. Unpraktisch ist aber die Lehnenverstellung. Hier wäre ein Drehrad viel besser.
Der für seine Klasse große Radstand von 2,52 Meter sorgt im Fond des Baleno für viel Platz. Gut zu erkennen ist hier auch das dritte Seitenfenster vor der C-Säule.
Redakteur Roland Hildebrandt: "Meine Länge von 1,88 Meter bekomme ich ausgezeichnet in den Fond des Baleno. Selbst bei normal eingestelltem Beifahrersitz gibt es noch sehr viel Beinfreiheit."
Auf zum Heck. Leider befindet sich der Griff am unteren Ende der Klappe. So sind schmutzige Hände garantiert. Besser wäre eine eigene Griffmulde in höherer Position.
355 Liter Gepäck passen im Normalzustand in den Kofferraum des Suzuki Baleno. Auch hier der Vergleich mit dem längeren VW Polo: Dort sind es 280 Liter.
Wie üblich kann die Lehne der Rückbank im Verhältnis 60 zu 40 umgelegt werden. Sind die Kopfstützen eingefahren, integrieren sie sich zum Teil in die Lehne.
Das Umlegen der Lehnen schafft eine ebene Ladefläche. Wie viel dann hineingeht, verrät Suzuki noch nicht. Durch optimierte Radaufhängungen ist der Kofferraum recht breit.
Nicht optimal ist die hohe innere Ladekante. Aber sie bietet den Vorteil, dass einem das Gepäck nicht sofort entgegenfällt.
Ebenfalls nicht optimal: Nur auf der rechten Seite gibt es eine ziemlich kleine Griffmulde zum Zuziehen der Heckklappe. Besser wären stabile Griffe auf beiden Seiten.
Redakteur Roland Hildebrandt: "Für den Baleno wird Suzuki zwei Motoren anbieten: Einen 1,2-Liter-Benziner mit 90 PS, Doppeleinspritzung und Mildhybrid. Hier speichert ein kleiner Lithium-Ionen-Akku die überschüssige Bremsenergie und gibt diese an den als Elektromotor fungierenden Startergenerator ab, der damit die Beschleunigung unterstützt. In unserem Fahrzeug ist der Einliter-Turbomotor mit 111 PS eingebaut."
Der sogenannte Boosterjet-Motor ist aufgeladen und verteilt seinen Hubraum von einem Liter auf drei Zylinder. Eng mit ihm verwandt ist der 140 PS starke Turbo-Vierzylinder im Suzuki Vitara S.
Schick: Die Form des Kühlergrills wird im Scheinwerfer fortgeführt. Sie arbeiten optional mit Xenontechnik, das Tagfahrlicht mit LEDs.
Der adaptive Tempomat nutzt ein Millimeterwellenradar zur Überwachung des Abstands. Die Technik versteckt sich hinter dem Suzuki-Logo im Kühlergrill.
Auf übertriebene Reifenformate verzichtet Suzuki beim Baleno. Unser Topmodell steht auf dem Format 185/55 R16, die Basis auf 175/65 R15.
Clevere Idee der Designer: Die Unterkante der vorderen Seitenfenster wird im Bereich der Außenspiegel abgesenkt. Das verbessert die Übersicht.
Türgriffe in Chrom-Optik werten das Baleno-Äußere auf. Der schwarze Knopf weist auf das Keyless-Go-System hin, bei dem der Schlüssel in der Tasche bleiben kann.
Über die Heckpartie streckt sich ein breiter Chromstreifen. Er ist Geschmackssache, Fingerabdrücke sieht man jedenfalls schnell.
Hier befindet sich die Rückfahrkamera. Ihre Anschaffung ist durchaus ratsam, denn die C-Säule ist beim Baleno relativ üppig geraten.
Der Name Baleno ist ein Kunstwort. Manch einer mag sich an einen Schokoriegel erinnert fühlen. Im Übrigen ist der Baleno nicht als Swift-Nachfolger gedacht, wie Suzuki ausdrücklich betont.
Redakteur Roland Hildebrandt: "Man darf sich beim neuen Suzuki Baleno nicht von der sachlichen Karosserie abschrecken lassen. Der Japaner punktet mit einem hervorragenden Platzangebot und feinen Extras wie dem Touchscreen-Navi, einer Wandlerautomatik oder dem Abstandstempomat. Jetzt muss nur noch der Preis stimmen, dann hätte der Baleno das Zeug, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein."