Barcelona (Spanien), 7. Februar 2013 - Der Blick schweift vom Lenkrad über die Motorhaube der neuen Mercedes E-Klasse. Irgendetwas fehlt. Der Stern ist weg. Nein, nicht abgerissen, sondern mitten in den Kühlergrill gewandert. Immerhin: Einige Ausführungen behalten die legendäre Peilhilfe auf dem Blech. Das doppelte Gesicht gehört zu den vielen Änderungen, die Mercedes seinem Zugpferd verpasst hat.
Umfangreich geändert
Anders als bei manchem Mikro-Lifting wurde bei der aktuellen E-Klasse nach vier Jahren Laufzeit das ganz große Skalpell rausgeholt. Unübersehbar sind die nun unter einem Glas zusammengefassten Scheinwerfer. Einzig die Grafik des LED-Tagfahrlichts erinnert an die einstigen Doppelleuchten. Apropos LED: Auch das Abblendlicht arbeitet mit Dioden, optional sind Voll-LED-Scheinwerfer erhältlich. Weitere markante Änderungen sind betreffen den Frontstoßfänger und den Bereich der hinteren Radhäuser. Hier entfällt künftig die so genannte "Ponton-Sicke". Recht diskret ist die Überarbeitung der Heckleuchten, sie bekommen ein rotes Deckglas.
Frage der Tradition
So raumgreifend das Außendesign modifiziert wurde, so dezent sind die Modifikationen im Innenraum. Nach wie vor schluckt das Gepäckabteil einiges weg: Schon bei der Limousine sind es 540 Liter, ins T-Modell passen gigantische 1.950 Liter. Das bislang schon gut durchdachte Cockpit ist nun etwas hochwertiger, etwa durch ein neues Lenkrad und eine Analoguhr in der Mittelkonsole. Wer automatisch schaltet, tut das jetzt per Wählhebel am Lenkrad. Schwächen in der Bedienung fallen nur dann auf, wenn man nie oder selten Mercedes fährt. Dieser Punkt betrifft die Fußfeststellbremse und den Tempomathebel links am Lenkrad. Bequeme Sitze und ein großzügiges Platzangebot runden den guten Eindruck ab.
Strahl-Kraft
Unter der Haube bietet sich für Diesel-Fans ein gewohntes Bild, die Selbstzünderpalette reicht von 136 bis 252 PS. Zwischen 184 und 408 PS stehen auf der Benziner-Seite bereit, die AMG-Modelle nicht mitgerechnet. Ganz neu ist ein aufgeladener Vierzylinder mit strahlgeführter Direkteinspritzung, vollvariabler Nockenwellenverstellung sowie einer geregelten Ölpumpe. Heraus kommen 211 PS im E 250, ein Plus von 27 Pferdestärken gegenüber dem bisherigen E 250 CGI. Durch ein geschichtetes Magerbrennverfahren verspricht Mercedes einen Verbrauch von durchschnittlich 5,8 Liter, zudem wird die Euro-6-Abgasnorm erfüllt. Etwas mehr genehmigt sich der neue Dreiliter-V6-Biturbo im E 400. Das 333 PS starke Modell ergänzt laut Preisliste den bisherigen E 350 mit 306 PS, taucht aber erstaunlicherweise noch nicht im offiziellen E-Klasse-Prospekt auf.
Benziner mit Diesel-Bums
Aber wie schrieb schon Goethe? "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie". Also den Wählhebel der im E 250 serienmäßigen Siebengang-Automatik auf "D" geschoben und los. Im Stand überrascht der Vierzylinder mit einer leicht dieseligen Klangkulisse, ansonsten brummt er gut gedämmt, aber ohne akustische Highlights im Hintergrund vor sich hin. Soundmäßig also eher "Naja", bei der Kraftentfaltung dagegen "Aha": Nach einer Gedenksekunde liegen 350 Newtonmeter maximales Drehmoment an, die Kurve erstreckt sich von 1.200 bis 4.000 Touren. Werte, bei denen manch Selbstzünder passen muss. In 7,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, währenddessen ist die Automatik darum bemüht, die Gänge diskret zu wechseln.
Qual der Wahl
E-Klasse-Fahrer haben ab Mitte April 2013 die Wahl zwischen vier Fahrwerken. Die Basisversion und die Elegance-Linie weisen ein so genanntes "Direct Control"-Fahrwerk mit selektivem Dämpfungssystem auf, in der Avantgarde-Linie ist es um 15 Millimeter tiefer gelegt. Nummer drei im Bunde ist ein Sportfahrwerk mit Tieferlegung, während die V8-Modelle serienmäßig mit Luftfederung an den Start gehen. Unser Testwagen war mit dem Avantgarde-Fahrwerk bestückt. Es bietet in den meisten Fällen einen guten Komfort, grobe Querfugen werden jedoch spürbar weitergereicht. Zum Vergleich hierzu drehen wir eine weitere Runde mit der Luftfederung namens "Airmatic". Mit ihr rollt die E-Klasse deutlich weicher ab, dennoch ist die gefühlte Verbesserung nicht so groß, dass der üppige Aufpreis von 2.023 Euro gerechtfertigt wäre.
Erste Hilfe
Dieser Betrag kann sinnvoller in Assistenzsysteme gesteckt werden, welche die geliftete E-Klasse bei Bedarf zum mitdenkenden Auto macht. Zu diesem Zweck bekommt der Mercedes neue "Augen" in Form einer Stereokamera hinter der Windschutzscheibe. Ihre Reichweite beträgt 500 Meter, erkannt werden Fußgänger, Fahrzeuge und Verkehrszeichen. Je nach Assistenzsystem ist außerdem einiges an Radartechnik an Bord. Die wichtigsten Systeme hat Mercedes in einem Paket für 2.677 Euro zusammengeschnürt. Inklusive sind hier ein Tempomat mit Abstandsregelung und der Fähigkeit zum teilautonomen Staufolgefahren, aber auch Helferlein zur Spurhaltung und Vermeidung des toten Winkels. Ebenfalls mit an Bord ist ein Bremsassistent, der auch Querverkehr sowie Fußgänger erkennt und die Bremsung des Fahrers verstärkt. Bei der Sichtung von Fußgängern kann die E-Klasse sogar bis zu einem Tempo von 50 km/h von selbst bis zum Stand bremsen.
Sicherheit gegen Aufpreis
Unverständlich bleibt die Tatsache, warum Mercedes einige weitere Systeme enorm verteuert. So ist der Fernlicht-Assistent Plus, der andere Fahrzeuge im Fernlichtkegel ausblendet, nur für insgesamt 1.844 Euro in Verbindung mit LED-Scheinwerfern zu haben. Richtig üppig wird es bei der Verkehrszeichenerkennung: Sie gibt es nur mit dem schon per se heftig eingepreistem Comand-Navigationssystem, macht unter dem Strich fette 3.504 Euro.
Eine Frage des Geldbeutels
Überhaupt lässt sich die Ausstattung der E-Klasse stark in die Höhe treiben, intensives Studium der 76-seitigen Preisliste vorausgesetzt. Daher zunächst der Blick, was es ab Werk gibt. Die namenlose Basisversion der E 250 Limousine steht für 46.275 Euro beim Händler, das sind auf den ersten Blick einige Scheine mehr als bislang. Wenn man aber die bislang nicht serienmäßige Automatik zum alten E 250 hinzurechnet, war dieser sogar knapp 800 Euro teurer. Was ist noch im Preis inklusive? Neben dem klassischen Stern auf der Haube unter anderem ein Tempomat, ein Start-Stopp-System, 16-Zoll-Alus mit 225er-Bereifung, elektrisch einstellbare Vordersitze, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, die erwähnten Teil-LED-Scheinwerfer und ein CD-Radio mit 5,8-Zoll-Farbdisplay und USB-Schnittstelle. Gar nicht mal so knickrig also, doch wo liegt die deutsche Konkurrenz? Der Audi A6 kostet als 2.8 FSI mit 204 PS und stufenlosem Multitronic-Getriebe deutlich günstigere 42.900 Euro. Bei BMW klafft zwischen dem 184 PS starken 520i und dem 528i mit 245 PS eine große Lücke. Für den 520i mit Acht-Gang-Automatik verlangen die Münchner 42.400 Euro.
Gesamtwertung
Über die Optik der neuen E-Klasse lässt sich sicherlich streiten, doch die straffere Linienführung steht besonders der Limousine gut. Unverändert bleiben die Qualitäten des E als komfortabler Reisewagen für lange Strecken. Dazu passt der neue 250er-Benziner, der die Kraft eines Diesels mit der Laufruhe eines Benziners verbindet. Wer nicht Langstrecken fahren muss, findet hier eine gute Kombination, zumal ein Automatikgetriebe serienmäßig ist. Durchaus beeindruckend ist die Masse an Assistenzsystemen, die teilweise schon der künftigen S-Klasse entliehen sind. Doch diese Sicherheitstechnik lässt sich Mercedes wie viele andere Extras teuer bezahlen.
Modell |
Mercedes E 250 |
Motor
|
Bauart |
Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung |
Zylinder / Ventile |
4 / 4 |
Antrieb |
Hinterradantrieb |
Getriebe |
Automatik |
Gänge |
7 |
Hubraum |
1.991 cm³ |
Leistung |
155 kW bei 5.500 U/min |
max. Drehmoment |
350 Nm bei 1.200 - 4.000 U/min |
Fahrwerk
|
Bremsen vorn |
Scheiben innenbelüftet |
Bremsen hinten |
Scheiben innenbelüftet |
Lenkung |
Zahnstangenlenkung mit elektromechanischer Servounterstützung |
Radaufhängung vorn |
Dreilenkerachse |
Radaufhängung hinten |
Raumlenkerachse |
Räder vorn |
225/55 R16 |
Räder hinten |
225/55 R16 |
Spurweite vorn |
1.598 mm |
Spurweite hinten |
1.614 mm |
Maße
|
Länge |
4.879 mm |
Breite |
1.854 mm |
Höhe |
1.474 mm |
Radstand |
2.874 mm |
Leergewicht |
1.680 kg |
max. Zuladung |
565 kg |
Anhängelast (gebremst) |
1.900 kg |
Kofferraumvolumen |
540 l |
Tank |
59 l |
Kraftstoffart |
Super |
Messwerte
|
Höchstgeschwindigkeit |
243 km/h |
Beschleunigung (0-100 km/h) |
7,4 s |
Verbrauch gesamt |
5,8 l/100 km |
Verbrauch innerorts |
7,5 l/100 km |
Verbrauch außerorts |
4,8 l/100 km |
CO2-Emission |
135 g/km |
Schadstoffklasse |
Euro 6 |
Stand: Februar 2013
Modell |
Mercedes E 250 Limousine |
Grundpreis |
46.975 € |
Ausstattungslinien
|
Elegance |
Euro 48.921 |
Avantgarde |
Euro 49.260 |
Ausstattung
|
ABS |
Serie |
Beifahrerairbag |
Serie |
Fahrerairbag |
Serie |
Anhängerkupplung |
1.059 € |
ASR |
Serie |
Automatikgetriebe |
Serie |
Navigationssystem |
ab 1.035 € |
CD-Radio |
Serie |
elektr. Fensterheber hinten |
Serie |
elektr. Fensterheber vorn |
Serie |
elektr. Schiebedach |
1.339 € |
elektr. verst. Außenspiegel |
Serie (inklusive Heizung) |
ESP |
Serie |
Klimaautomatik |
Serie (Zwei-Zonen) |
Kopfairbag hinten |
Serie |
Kopfairbag vorne |
Serie |
Lederausstattung |
2.059 € |
Leichtmetallfelgen |
Serie (16 Zoll) |
Metalliclackierung |
1.035 € |
MP3-Radio |
Serie |
Nebelscheinwerfer |
Serie |
Seitenairbag hinten |
452 € |
Seitenairbag vorne |
Serie |
Sitzhöheneinstellung |
Serie (elektrisch, Fahrer und Beifahrer) |
Tempomat |
Serie |
Xenonlicht |
1.725 € (LED-Scheinwerfer) |
Zentralverriegelung |
Serie |
Sitzheizung vorne |
407 € |
Spurhalte-Assistent |
535 € |
Totwinkel-Assistent |
535 € |
Aktiver Park-Assistent |
869 € |
schlüsselloser Zugang |
1.309 € |
Stand: Februar 2013