Italiens Antwort auf den Mazda MX-5
Mitte der 1990er-Jahre befanden sich nicht wenige Autohersteller im Roadster-Fieber. Angefixt vom enormen Erfolg des Mazda MX-5, wurde die Auswahl immer größer: BMW Z3 oder Mercedes SLK sind nur zwei der bekanntesten Beispiele. Fast vergessen ist hingegen einer der hübschesten Roadster jener Zeit, der (respektive die) Fiat Barchetta. Jetzt wird das "kleine Boot" 25 Jahre alt.
Begonnen hatte alles im Jahr 1993. Auf der Motorshow in Turin zeigte Fiat die Studie Scia, einen zweisitzigen Spider, der auf dem Chassis des Fiat Punto aufbaute. Er besaß kein Dach, das Interieur war deswegen wasserfest ausgeführt.
Auch die Linienführung des Konzeptfahrzeugs (siehe Bildergalerie) erinnerte in vielen Bereichen an ein Boot, speziell das Heck erinnert an ein klassisches "Boattail". Tatsächlich nahm das Showcar Scia den späteren Fiat Barchetta voraus, wenngleich dieser nicht ganz so extrem wurde.
Die Serienversion des Fiat Barchetta (wir bleiben der Einfachheit halber bei der männlichen Form) ging Anfang 1995 in die Produktion. Verantwortlich für das Design war kein Geringerer als Andreas Zapatinas, der uns einige Jahre später den BMW Z8 schenken sollte. Wie die Scia-Studie basierte auch der Barchetta auf dem Punto. Das Auto wurde beim Karosseriebauer Maggiora in Chivasso größtenteils von Hand zusammengesetzt. Nach dem Konkurs von Maggiora verlagerte Fiat die Produktion in das Werk Mirafiori.
Charakteristisch für die Karosserie sind rahmenlose Seitenscheiben, in die Tür eingelassene Türgriffe sowie ein unter einer Abdeckung vollständig versenkbares Verdeck. Letzteres ist grundsätzlich mechanisch zu betätigen und mit einer Kunststoffheckscheibe ausgestattet. Der Kofferraum fasst mit einem Volumen von 165 Litern drei Getränkekisten; bei geschlossenem Verdeck lässt sich außerdem das Verdeckfach als zusätzlicher Stauraum nutzen. Ein Hardtop mit heizbarer Heckscheibe war als Sonderausstattung verfügbar. Fun Fact: Der Fiat Barchetta war eines der ersten Großserienfahrzeuge mit Klarglasscheinwerfern.
Der 1,8-Liter-Vierzylinder-Sauger leistet 131 PS und hat ein maximales Drehmoment von 164 Newtonmeter. Der gleiche Motor wurde ab 1996 auch im Fiat Coupé (noch so ein emotionales Auto der Marke) verwendet. Nach Herstellerangaben war bei der Barchetta eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h drin, die Beschleunigung auf 100 km/h wurde mit 8,9 Sekunden angegeben. Im Lauf der Produktionszeit des Fiat Barchetta wurden verschiedene Varianten dieses Motors eingesetzt, die sich in konstruktiven Details unterscheiden und auch unterschiedliche Abgasnormen erfüllen. Mitte 2003 bekam der Barchetta ein Facelift, bei dem die Frontpartie etwas kantiger wurde.
Die Produktion endete im Juni 2005 nach zehn Produktionsjahren. Insgesamt wurden 57.521 Fahrzeuge hergestellt, ungefähr die Hälfte davon wurde in Deutschland zugelassen. 38.320 DM kostete der Fiat Barchetta anfangs, heute halten sich die Gebrauchtpreise im Rahmen: 4.700 Euro werden im guten Zustand notiert.