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Splashes Bruder - Opel löst die Nutzwertkiste Agila ab

Kulleraugen und Blech-Bügelfalte: Wir testen den kleinen Opel mit Dieselmotor

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Marseille (Frankreich), 18. Februar 2008 - "Erst Haha, dann Aha!". Mit diesem Slogan bewarb Opel den ersten Agila augenzwinkernd als hässliches Entlein, das eventuelle Spötter dank eines erstaunlich hohen Nutzwerts erstaunen und zum Schweigen bringen sollte. Bei einem Micro-Van mit einem derart unaufregenden Kasten-Design war das sicherlich nicht die schlechteste Verkaufsstrategie.

Länger, flacher, runder
Schon beim ersten Blick auf den Agila der zweiten Generation wird klar, dass dieser Opel solch humoristische Präventivschläge nicht nötig haben wird. Grobschlächtiges Design ist beim neuen Agila kein Thema mehr - im Gegenteil: Mit fließenden Formen und typischen Opel-Details - etwa der Bügelfalte auf der Motorhaube - reiht sich der Knubbel problemlos in die aktuelle Designlinie der Rüsselsheimer ein. Auch abseits der Ästhetik hat der zweite Agila äußerlich wenig mit seinem kantigen Ahnen zu tun: In der Länge hat er ganze 20 Zentimeter zugelegt, in der Höhe hingegen acht Zentimeter verloren. Die extreme Kastenform des Vorgängers ist somit zwar passé - wie ein regulärer Kleinwagen sieht der aktuelle Agila aber auch nicht aus.

Der 4+1-Sitzer
Ein Aha-Erlebnis gibt's beim Neuen Agila spätestens im Innenraum, denn der hat erstaunlich viel Platz. Sitzkomfort bietet dabei nicht nur die erste Reihe: Auch der Fond eignet sich durchaus für den Transport erwachsener Passagiere, solange auf den Vordersitzen nicht gerade Zweimeter-Männer Platz nehmen. Ach ja: Opel macht ein ziemliches Aufheben um die Tatsache, dass auf der hinteren Bank drei Sitzplätze vorhanden sind. Objektiv betrachtet ist das hintere Abteil aber eher eine "zwei plus eins"-Angelegenheit: Der mittlere Platz ist so schmal geschnitten, dass er sich höchstens für Kinder und Kurzstrecken eignet. Beim Gepäckabteil wird deutlich, warum der kurze Agila seinen Passagieren soviel Platz zum Sitzen bieten kann. Mit 225 Liter Volumen nach ECIE-Messung fällt der Kofferraum nämlich ziemlich mickrig aus: Im Praxistest hatten wir Mühe, hier zwei Trolley-Koffer unterzubringen. Für den Transport von originalverpackten Bücherregalen aus Schweden muss also die Rückbank fallen. Bei unserem "Edition"-Modell ist die übrigens asymetrisch teilbar. Wenn man den Kleinen dann bis unters Dach vollstopt, passen immerhin 1.050 Liter Gepäck in den Agila. Und da sich die Sitzbank beim Umklappen der Lehne automatisch absenkt, bietet der kleine Opel zudem einen topfebenen Laderaumboden.

Ist ja alles so schön bunt hier
Auch auf den vorderen Plätzen bietet der Rüsselsheimer viel Praktisches: Unter einer Klappe im Armaturenbrett gibt's ein Kleinkramfach, in den Kartentaschen der Türen sitzen Halterungen für Getränkeflaschen und über dem Fahrersitz hängt statt Panikgriff ein Brillenfach vom Himmel. Wie es sich für einen "smarten" Kleinwagen gehört, will der Agila aber auch mit peppigem Design punkten. Ähnlich wie im Fortwo thront etwa der Drehzahlmesser in einem eigenen Plastikgehäuse auf dem Armaturenbrett. Zudem kann der Innenraum auf Wunsch farblich aufgepeppt werden. Wer die Sitzmittelbahnen in Dunkelblau oder Knallorange bestellt, bekommt automatisch farblich abgestimmte Teile für das Cockpit und die Türverkleidungen hinzu. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten - uns jedenfalls gefielen die bunten Farbakzente am ansonsten schwarzen Agila-Armaturenbrett und an den Sitzen.

Rollender Hochsitz
Apropos Sitze: Das vordere Opel-Gestühl hat ausreichend Seitenhalt und ist angenehm straff gepolstert. Nicht gefallen hat uns hingegen die grobe Lehnenverstellung per Zughebel. Die aufrechte und hohe Sitzposition ist auch auf längeren Strecken bequem und sorgt für das typische Gefühl von Übersicht, das gerade die Damen so schätzen sollen. Allerdings: Nach schräg hinten ist es Essig mit der Übersicht, denn dort blockieren die breiten C-Säulen den Fahrerblick. Beim Thema Ergonomie leistet sich der kleine Hesse ansonsten nur wenige Patzer: Schalter und Hebel liegen gut zur Hand, der Tacho ist groß und übersichtlich gezeichnet und Details wie die Radiofernbedienung am Lenkrad erleichtern dem Agila-Piloten das Leben. Der aufgesetzte Drehzahlmesser hingegen ist schlicht zu klein, um ihn schnell ablesen zu können, und der Lichtschalter am Blinkerhebel ist fummelig und wirkt billig.

Ausreichend schnell
Von einem Kindergarten-Taxi wie dem Agila erwartet man beim Thema Performance natürlich keine Heldentaten. In unserem Testwagen ist der Turbodiesel mit 1,3 Liter Hubraum installiert. Der leistet 75 muntere PS und hat dank seiner 190 Newtonmeter Drehmoment leichtes Spiel mit dem Eintonner. Auf 100 km/h kommt der Diesel-Agila zwar erst nach 13,9 Sekunden - trotzdem fühlt sich der Fahrer nicht wirklich untermotorisiert. Dieseltypisch spielt der kleine Selbstzünder die Drehmoment-Trumpfkarte aus und zieht von unten heraus bärig an. Klar: Im oberen Drehzahlbereich läuft er in die - ebenfalls typische - Gummiwand. Für ein Auto wie den Agila reicht die gebotene Leistung aber völlig, um im Verkehr entspannt mitzuschwimmen. Auf kurvigen Landstraßen verleitet der Opel gar zu flotter Fahrweise, denn das Chassis wird mit der Motorkraft locker fertig und die Lenkung ist ausreichend direkt. Um die Mittellage herum fühlt sie sich aber etwas künstlich an und auf schnelle Lenkmanöver könnte sie direkter reagieren. Keine Probleme gibt's beim Fahrverhalten: In schnellen Kurven schiebt der Agila recht spät über die Vorderräder und bleibt dabei stets gutmütig. Auch die Federung kann als gelungen bezeichnet werden. Mit seinem kurzen Radstand ist der Opel natürlich keine Sänfte, trotzdem hält er die meisten unangenehmen Härten von den Insassen fern. Allerdings können lange Wellen den Aufbau zum Nachwippen animieren und mit seiner relativ hohen Karosserie lehnt sich der Agila in schnellen Kurven schon mal ein wenig zur Seite.

ESP nicht serienmäßig
Die Bremsen sind dem Umfeld entsprechend: Vorne trägt der Opel innenbelüftete Scheiben, hinten gibt's hingegen nur antiquerte Trommelbremsen. Beim Tritt aufs mittlere Pedal merken wir davon allerdings nichts: Auf trockener Straße verzögert der kleine Opel ausreichend stark und schickt ein gutes Feedback in den Bremsfuß. Für den Fall der Fälle ist bei unserem Modell ESP verbaut. Das elektronische Sicherheitsnetz ist allerdings auch im Top-Modell "Edition" nicht serienmäßig an Bord und kostet 360 Euro Aufpreis. Immerhin: Im Gegensatz zum baugleichen Suzuki Splash ist ESP auch für die Einstiegsversion des Agila lieferbar. Ebenfalls im "Edition"-Paket enthalten sind Goodies wie ein CD-Radio mit MP3-Funktion, elektrische Außenspiegel oder elektrische Fensterheber vorn. Unseren Diesel- sowie den 1,2-Liter-Benziner-Agila gibt es übrigens ausschließlich in dieser Ausstattungsvariante. Lediglich die 65-PS-Einstiegsmotorisierung mit dem 1,0-Dreizylinder kann in der simpleren Basisausstattung geordert werden. Dann kostet der Opel werbewirksame 9.900 Euro, bietet dafür aber auch deutlich weniger Komfort und Luxus als unsere Diesel-Version für 16.010 Euro.

Gesamtwertung
Aha - diesmal ganz ohne haha: Eine Lachnummer ist der Agila in der zweiten Auflage sicher nicht mehr. Mit knackig-knuffigem Design, erstaunlich viel Platz im Innenraum und variablem Gepäckabteil dürfte er problemlos seine Käufer finden. Das Interieur wirkt hochwertig, ist sauber verarbeitet und verbreitet gute Laune - besonders dann, wenn die optionalen Farbakzente geordert werden. Fahrwerk und Bremsen gehen für einen Nutzwert-Wagen wie den Agila in Ordnung.
Einen Rüffel handeln sich die Opelaner für ihre ESP-Politik ein, denn auch in dieser Klasse sollte der Sicherheitsanker inzwischen zur Standardausrüstung gehören. Der kräftig anmutende Dieselmotor schließlich passt gut zum kleinen Hessen, treibt allerdings auch den Grundpreis auf Kompaktwagen-Niveau. Sparfüchse sollten also durchaus einen Blick auf die Einstiegsmotorisierung mit 65 PS riskieren, denn die kostet bei identischer Ausstattung satte 3.210 Euro weniger.

Modell Opel Agila 1.3 CDTI Edition
Motor
Bauart Diesel- Reihenmotor
Zylinder / Ventile 4 / 4
Antrieb Frontantrieb
Getriebe Schaltgetriebe
Gänge 5
Hubraum 1.248 cm³
Leistung 55 kW bei 4.000 U/min
max. Drehmoment 190 Nm bei 1.750 U/min
Fahrwerk
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben
Bremsen hinten Simplex- Trommelbremsen
Lenkung servounterstützte Zahnstangenlenkung
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an McPherson- Federbeinen, Dreiecksquerlenker
Radaufhängung hinten Verbundlenkerkonstruktion mit Schraubenfedern
Räder vorn 185/60 R16 auf 5,5 J x 15 Alufelgen
Räder hinten 185/60 R16 auf 5,5 J x 15 Alufelgen
Spurweite vorn 1.470 mm
Spurweite hinten 1.480 mm
Wendekreis 9,6 m
Maße
Länge 3.740 mm
Breite 1.680 mm
Höhe 1.590 mm
Radstand 2.360 mm
Leergewicht 1.050 kg
max. Zuladung 435 kg
Dachlast 35 kg
Kofferraumvolumen 225 l
Tank 45 l
Kraftstoffart Diesel
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) 13,9 s
Verbrauch gesamt 4,5 l/100 km
Verbrauch innerorts 5,5 l/100 km
Verbrauch außerorts 4,0 l/100 km
CO2-Emission 120 g/km
Schadstoffklasse Euro 4
Kosten
Garantie 2 Jahre ohne km-Begrenzung, 12 Jahre gegen Durchrostung
Serviceintervalle nach Anzeige

Stand: Februar 2008


Modell Opel Agila 1.3 CDTI Edition
Grundpreis 16.010 €
Ausstattung
ABS Serie
Beifahrerairbag Serie
Fahrerairbag Serie
ASR 360 € (im ESP enthalten)
Automatikgetriebe -
CD-Radio Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verst. Außenspiegel Serie
ESP 360 €
Klimaanlage Serie
Kopfairbag vorne 390 € (durchgehend für vorn und hinten)
Leichtmetallfelgen 275 € (im Style-Paket)
Metalliclackierung 405 €
MP3-Radio Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Seitenairbag hinten -
Seitenairbag vorne Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Zentralverriegelung Serie

Stand: Februar 2008


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